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11.09 2016 - Bühne im Klanggarten 2016: Martinsbrunner Gespräche


Die Meraner Institution Martinsbrunn startete vor kurzem mit einer Veranstaltungsreihe, die sich grundsätzlichen Themen aus dem sozialen und sanitären Tätigkeitsbereich des Unternehmens widmet. Als Auftaktveranstaltung fand im Park von Martinsbrunn eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Selbstbestimmung bis zuletzt?“ statt. Das Impulsreferat von Prof. Andreas Kruse lieferte den philosophisch – ethisch – wissenschaftlichen Unterbau für die Diskussion. Landesrätin Martha Stocker, Karl Pichler und Geriatrie-Primar Christian Wenter lieferten sich unter der Moderation von Martinsbrunn-Geschäftsführer Gerhard Lipp einen lebhaften Gedankenaustausch!

Die Idee zu den „Martinsbrunner Gesprächen“ wurde aus einem Vortrag beim letztjährigen Symposium „Palliativ ohne Grenzen“ geboren. Stein Husebo aus Norwegen bewegte mit seinen Gedanken zur „Selbstbestimmung bis zuletzt“ aus der Sicht eines Palliativmediziners die Zuhörer zutiefst. „Die Martinsbrunner Gespräche sollen einen Beitrag leisten und möchten fördern, dass zu wichtigen und dringenden sozio-sanitären Themen grundsätzliche Gedanken angestellt und öffentlich diskutiert werden!“ – so Gerhard Lipp in seiner Einleitung. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen immer älter werden und die Gesellschaft damit vor immer größeren Herausforderungen steht, die möglicherweise immer noch unterschätzt werden, wurde für die erste Ausgabe das Thema der Selbstbestimmung des Menschen bis ins hohe Alter in den Mittelpunkt gestellt.

Prof. Andreas Kruse – international anerkannter Gerontologe, Dekan der Fakultät für Verhaltens- und empirische Kulturwissenschaften an der Universität Heidelberg und Mitglied der Zukunftskommission der Bundesrepublik Deutschland – eröffnete mit seinen Überlegungen zur Selbstbestimmung und Verantwortung des Menschen den Abend. Er präsentierte vier Verantwortungsbezüge, um die er seine Argumentation und Sichtweise aufbaut. Die Schöpfungsverantwortung, also den Umgang mit Natur und Ressourcen, die Nachhaltigkeitsverantwortung, also die Bereitschaft für das Gemeinwohl und die nachfolgenden Generationen zu leben, die Mitverantwortung als Fähigkeit, sich in die Bedürfnisse anderer Menschen hineinzuversetzen und schließlich die Selbstverantwortung als Fähigkeit, sich bestmöglich um eine selbständige Lebensführung zu bemühen.

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion wurden dann viele Fragen angesprochen, die sich aus dem Vortrag ergeben haben. Wie steht es um die persönliche „Sorgebilanz“ des Menschen? Sind alte Menschen nur noch „Sorge-Empfänger“ oder doch auch „Sorge-Spender“? Müssen alte Menschen wirklich hauptsächlich als Kostenfaktor gesehen werden?

Die Diskussionsteilnehmer lieferten interessante Sichtweisen, tauschten dabei für kurze Zeit sogar die Rollen und steigerten sich in einige konkrete Ideen! So wurde sinnvoll gesehen, den anstehenden Landes-Gesundheitsplan möglichst intensiv mit einem neuen Landes-Sozialplan zu vernetzen. So wurde auch angeregt, die öffentlichen Räume in den Städten und Gemeinden mehr an den Bedürfnissen der alten Menschen zu orientieren – der Begriff der „Rollator-Distanz“ als Maßeinheit für die Erreichbarkeit von sozio-sanitären Einrichtungen für ältere Menschen im Umfeld ihrer Wohnorte wurde geprägt! Die Notwendigkeit der Vorsorge auch im Alter und der Entwicklung spezieller „Senioren-Reha-Programme“ zur Verlängerung der selbständigen Mobilität wurde angesprochen. Und nicht zuletzt wurde dem Thema „Lebenslanges Lernen – Erfahrung als Schatz“ Raum gegeben und eine Vision der möglichen Alters-Arbeitswelt von morgen entwickelt.

Teilnehmer und Publikum waren sich einig – das Experiment „Martinsbrunner Gespräche“ ist gelungen und der besondere Ort des Martinsbrunner Parks hat viel dazu beigetragen – ein guter Ort für gute Gedanken!



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